Männer lieben intelligente Frauen. Bis sie einer begegnen, die klüger ist


Was eine psychologische Studie über männliche Anziehung verrät – und warum erfolgreiche Frauen sich beim Dating nicht kleiner machen sollten.
Ich muss etwas gestehen.
Wenn mir ein Mann erzählt, er wünsche sich eine intelligente, unabhängige und erfolgreiche Frau, freue ich mich erst einmal.
Schließlich klingt das nach einem Mann, der weiß, was er will.
Allerdings würde ich manchmal gerne nachfragen:
Wie intelligent darf sie denn sein?
Intelligent genug, um interessante Gespräche zu führen? Unbedingt.
Erfolgreich genug, um auf eigenen Beinen zu stehen? Natürlich.
Aber was, wenn sie mehr verdient als er?
Wenn ihre Karriere gerade besser läuft?
Wenn sie bei einer Diskussion die überzeugenderen Argumente hat?
Oder wenn ausgerechnet sie die Geschäftsführerin ist?
Dann wird es offenbar manchmal kompliziert.
Intelligenz ist attraktiv. Zumindest aus sicherer Entfernung.
Die Psychologen Lora Park, Ariana Young und Paul Eastwick veröffentlichten eine Studie, deren Ergebnisse ich ausgesprochen interessant finde.
In sechs Untersuchungen gingen sie der Frage nach, wie Männer auf Frauen reagieren, die ihnen intellektuell überlegen sind.
Das Ergebnis war bemerkenswert.
Solange sich die Männer eine solche Frau nur vorstellten, fanden sie ihre Intelligenz durchaus attraktiv.
Sobald der Vergleich allerdings persönlich wurde und die Frau tatsächlich besser abschnitt als sie selbst, veränderte sich die Reaktion in einigen der Untersuchungen.
Plötzlich war die überlegene Intelligenz nicht mehr ganz so anziehend.
Natürlich bedeutet das nicht, dass Männer grundsätzlich ein Problem mit klugen Frauen haben. Die Studie untersuchte auch keine Gehaltsunterschiede, beruflichen Erfolge oder langfristigen Partnerschaften.
Es ging um intellektuelle Überlegenheit und darum, welchen Unterschied es macht, ob wir sie aus der Ferne betrachten oder unmittelbar erleben.
Trotzdem wirft das Ergebnis eine interessante Frage auf:
Finden manche Männer intelligente Frauen vor allem dann attraktiv, wenn sie ihnen nicht überlegen sind?
Nicht ihr Erfolg ist das Problem. Sondern seine Reaktion darauf.
Ich finde, wir sprechen beim Dating viel zu wenig darüber, was der Erfolg einer Frau bei einem Mann auslösen kann.
Eine Frau kann beruflich ambitioniert sein, ein Unternehmen führen, hervorragend verdienen und trotzdem eine liebevolle, feminine und zugewandte Partnerin sein.
Das widerspricht sich doch überhaupt nicht.
Und trotzdem gibt es Männer, die zunächst ganz begeistert von einer erfolgreichen Frau sind.
Sie finden ihre Unabhängigkeit attraktiv, bewundern ihren Ehrgeiz und interessieren sich für ihre Karriere.
Bis ihnen bewusst wird, dass sie möglicherweise erfolgreicher ist als sie selbst.
Dann verändert sich manchmal der Ton.
Ein kleiner Seitenhieb auf ihre Arbeitszeiten. Eine Bemerkung darüber, dass Geld ja nicht alles sei. Oder die Frage, ob sie bei so viel Karriere überhaupt noch Platz für eine Beziehung habe.
Alles natürlich nicht böse gemeint.
Und die Frau?
Die überlegt anschließend, ob sie vielleicht zu viel von sich erzählt hat.
Ob sie weniger über ihren Beruf sprechen sollte.
Ob sie zu selbstbewusst aufgetreten ist.
Ich finde das ziemlich absurd.
Seit wann muss sich eine Frau eigentlich für ihren Erfolg entschuldigen?
Sie bekam den größten Auftrag ihrer Karriere. Er fand das weniger erfreulich.
Stellen wir uns Sophie vor.
Anfang vierzig, Unternehmerin, erfolgreich, humorvoll. Eine Frau, die ihr Leben im Griff hat und sich trotzdem jemanden wünscht, mit dem sie es teilen kann.
Sie lernt einen Mann kennen.
Die ersten Dates sind vielversprechend. Sie verstehen sich gut, lachen viel, haben ähnliche Interessen. Er scheint genau der Mann zu sein, den sie gesucht hat.
Eines Abends erzählt Sophie ihm begeistert, dass sie gerade den größten Auftrag ihrer bisherigen Karriere gewonnen hat.
Ein Moment, auf den sie lange hingearbeitet hat.
Seine Reaktion?
„Na, hoffentlich hast du dann überhaupt noch Zeit für eine Beziehung.“
Vielleicht war es nur ein ungeschickter Scherz.
Aber Sophie bemerkt mit der Zeit ein Muster.
Wenn sie einen schlechten Tag hat, ist er aufmerksam und verständnisvoll. Wenn sie sich über etwas ärgert, hört er zu.
Wenn sie Unterstützung braucht, ist er da.
Doch sobald sie von einem Erfolg erzählt, wird er auffallend zurückhaltend.
Er fragt kaum nach. Wechselt das Thema. Macht gelegentlich eine spitze Bemerkung.
Irgendwann erzählt Sophie ihre guten Nachrichten nicht mehr ganz so begeistert.
Sie merkt selbst kaum, wie sie beginnt, sich zurückzunehmen.
Nicht, weil er sie ausdrücklich darum gebeten hätte.
Sondern weil sie spürt, dass ihr Erfolg zwischen ihnen etwas verändert.
Und genau das finde ich traurig.
Nicht, dass ein Mann einmal unsicher ist. Das kann jedem passieren.
Sondern dass eine Frau anfängt, ihre Freude herunterzuspielen, damit sich ihr Partner wohler fühlt.
Ich würde Sophie deshalb eine Frage stellen:
Möchte dieser Mann eine Partnerin auf Augenhöhe? Oder jemanden, der zu ihm aufschaut?
Sophies Geschichte ist ein fiktives Beispiel für eine Dynamik, die beim Dating entstehen kann.
Liebe Frauen, hört auf, euch selbst kleiner zu machen.
Erfolgreichen Frauen wird beim Dating erstaunlich häufig geraten, sich etwas zurückzunehmen.
Nicht gleich erzählen, was man beruflich macht.
Bloß nicht erwähnen, wie viel man verdient.
Dem Mann Raum geben, sich als Mann zu fühlen.
Und am besten nicht zu deutlich zeigen, dass man auch ohne ihn ein ziemlich gutes Leben führt.
Ich halte von solchen Ratschlägen wenig.
Natürlich muss niemand beim ersten Date seine beruflichen Erfolge aufzählen. Ein romantisches Abendessen ist schließlich keine Hauptversammlung.
Aber es gibt einen Unterschied zwischen Bescheidenheit und dem bewussten Verstecken der eigenen Persönlichkeit.
Wer stolz auf etwas ist, darf das zeigen.
Wer eine Meinung hat, darf sie vertreten.
Und wer beruflich viel erreicht hat, muss nicht so tun, als wäre das alles eher zufällig passiert.
Vor allem sollten Frauen nicht anfangen, ihre Ansprüche herunterzuschrauben, nur weil sie befürchten, mit ihrer Unabhängigkeit Männer einzuschüchtern.
Denn was wäre damit gewonnen?
Eine Beziehung, in der man von Anfang an darauf achtet, nicht zu viel von sich zu zeigen?
Das klingt für mich nicht besonders verlockend.
Woran erkennt man einen Mann, der mit einer starken Frau umgehen kann?
Ich glaube nicht, dass man dafür komplizierte Fragenkataloge oder psychologische Tests braucht.
Viel interessanter ist, wie sich jemand in ganz alltäglichen Situationen verhält.
Erzähl ihm von etwas, auf das du stolz bist.
Vielleicht hast du ein anspruchsvolles Projekt abgeschlossen, eine mutige Entscheidung getroffen oder beruflich etwas erreicht, das dir viel bedeutet.
Wie reagiert er?
Freut er sich mit dir? Ist er neugierig? Fragt er nach?
Oder wird deine gute Nachricht plötzlich zum Anlass, über seine eigenen Leistungen zu sprechen?
Ein Mann muss nicht bei jedem Erfolg begeistert applaudieren. Aber ehrliche Freude über das Glück eines anderen Menschen ist ein gutes Zeichen.
Frag ihn, welche Frauen er bewundert.
Ich finde diese Frage ausgesprochen aufschlussreich.
Welche Frauen beeindrucken ihn?
Und was genau schätzt er an ihnen?
Ihre Intelligenz?
Ihren Mut?
Ihre Persönlichkeit?
Ihren beruflichen Erfolg?
Oder fallen ihm bei erfolgreichen Frauen vor allem die Eigenschaften ein, die er anstrengend findet?
Man erfährt dabei oft mehr, als man zunächst vermuten würde.
Sei auch einmal anderer Meinung.
Nicht, um ihn zu testen. Und schon gar nicht, um aus einem schönen Abend eine Grundsatzdebatte zu machen.
Aber wenn du etwas anders siehst, sag es ruhig.
Kann er damit umgehen?
Hört er zu? Ist er offen für deine Sichtweise?
Oder hat er plötzlich das Bedürfnis, dir unbedingt beweisen zu müssen, dass er recht hat?
Ich persönlich finde Männer sehr attraktiv, die eine Diskussion genießen können, ohne sie gewinnen zu müssen.
Achte darauf, wie er über frühere Partnerinnen spricht.
Waren seine Ex-Freundinnen angeblich alle zu anspruchsvoll, zu unabhängig oder zu karriereorientiert?
Natürlich können frühere Beziehungen schwierig gewesen sein.
Aber wenn grundsätzlich die Frauen das Problem waren, würde ich zumindest genauer hinhören.
Dafür braucht es übrigens kein ausgefeiltes Interview.
Ein wenig Aufmerksamkeit beim Abendessen reicht vollkommen.
Eine Frage, die Frauen beim Dating viel häufiger stellen sollten
Was mir immer wieder auffällt:
Viele Frauen beschäftigen sich nach einem Date vor allem damit, wie sie auf den Mann gewirkt haben.
Hat er mich attraktiv gefunden?
War ich interessant genug?
Habe ich zu viel geredet?
War ich vielleicht zu direkt?
Dabei wäre eine andere Frage mindestens genauso wichtig:
Hat er mir eigentlich gefallen?
Und damit meine ich nicht seinen Beruf, sein Einkommen oder das Restaurant, in das er eingeladen hat.
Sondern ihn als Menschen.
War er aufmerksam?
Hat er wirklich zugehört?
Konnte man mit ihm lachen?
War das Gespräch angenehm, auch wenn man unterschiedlicher Meinung war?
Und vor allem: Hatte man das Gefühl, sich nicht verstellen zu müssen?
Ein beeindruckender Lebenslauf verrät schließlich wenig darüber, wie jemand eine Beziehung führt.
Ein Mann kann beruflich außerordentlich erfolgreich und gleichzeitig emotional unsicher sein.
Ein anderer kann weniger verdienen und trotzdem eine bemerkenswerte innere Stärke besitzen.
Das eine hat mit dem anderen nicht zwangsläufig etwas zu tun.
Deshalb finde ich es wichtig, bei der Partnerwahl nicht nur auf das zu schauen, was jemand erreicht hat, sondern vor allem darauf, wie er mit anderen Menschen umgeht.
Vielleicht sollten wir auch die Männer ein bisschen besser verstehen.
Ich möchte an dieser Stelle keineswegs behaupten, dass Männer, die sich von erfolgreichen Frauen eingeschüchtert fühlen, grundsätzlich schlechte Partner wären.
So einfach ist es nicht.
Viele Männer sind mit einem bestimmten Bild von Männlichkeit aufgewachsen.
Ein Mann soll erfolgreich sein, Verantwortung übernehmen, Sicherheit geben und finanziell für seine Familie sorgen können.
Daran ist zunächst nichts falsch.
Ich kenne durchaus Frauen, die beruflich sehr erfolgreich sind und sich trotzdem einen Mann wünschen, der gerne die finanzielle Verantwortung übernimmt.
Auch das schließt sich nicht aus.
Schwierig wird es allerdings, wenn ein Mann seinen eigenen Wert daran misst, ob er erfolgreicher ist als seine Partnerin.
Wenn er sich nur dann stark fühlt, wenn sie weniger verdient.
Oder wenn ihre Leistungen für ihn automatisch bedeuten, dass seine eigenen weniger wert sind.
Natürlich darf ein Mann unsicher sein. Natürlich darf er sich fragen, welche Rolle er in einer Beziehung einnehmen möchte.
Aber die Antwort darauf kann doch nicht sein, dass seine Partnerin ihre Erfolge verstecken muss.
Eine gute Beziehung sollte schließlich kein Wettbewerb sein.
Und ganz bestimmt keiner, bei dem einer absichtlich verlieren muss, damit der andere glücklich ist.
Welche Männer ich wirklich beeindruckend finde
Mich beeindrucken Männer, die sich über den Erfolg einer Frau freuen können, ohne sofort an ihren eigenen zu denken.
Männer, die eine kluge Frau nicht als Konkurrenz betrachten.
Die eine eigene Meinung interessant finden und nicht als persönlichen Angriff verstehen.
Die selbstbewusst genug sind, auch einmal zuzugeben, dass ihre Partnerin etwas besser weiß.
Und die verstehen, dass sie einer Frau etwas bieten können, das weit über Geld und gesellschaftlichen Status hinausgeht.
Verlässlichkeit. Humor. Großzügigkeit. Zuneigung. Emotionale Sicherheit.
Die Fähigkeit, für einen anderen Menschen da zu sein, ohne ständig die eigene Bedeutung unter Beweis stellen zu müssen.
Und vielleicht sogar die Gelassenheit, in einer Diskussion einfach einmal zu sagen:
„Stimmt. Da hast du recht.“
Ich weiß. Eine durchaus bemerkenswerte Eigenschaft.
Ich glaube nicht, dass erfolgreiche Frauen zu intelligent, zu unabhängig oder zu ambitioniert für eine glückliche Beziehung sind.
Sie sollten nur genauer darauf achten, ob ein Mann diese Eigenschaften wirklich schätzt.
Nicht bloß, solange er davon erzählt.
Sondern auch dann, wenn er ihnen im Alltag begegnet.
Denn die eigentliche Frage ist nicht, ob Männer intelligente Frauen attraktiv finden.
Sondern ob sie das auch dann noch tun, wenn die Frau tatsächlich klüger ist als sie.
Und liebe Frauen, falls ihr diese Frau seid:
Tut bitte nicht so, als wärt ihr es nicht.
Der richtige Mann könnte genau das ziemlich unwiderstehlich finden.
Drei häufige Fragen
Warum fühlen sich manche Männer von intelligenten oder erfolgreichen Frauen eingeschüchtert?
Dafür kann es unterschiedliche Gründe geben.
Traditionelle Rollenbilder, persönliche Unsicherheiten oder das Bedürfnis, innerhalb einer Partnerschaft die erfolgreichere Person zu sein, können eine Rolle spielen.
Psychologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass manche Männer auf die intellektuelle Überlegenheit einer Frau anders reagieren, wenn sie unmittelbar damit konfrontiert werden.
Daraus lässt sich allerdings keine allgemeine Aussage über Männer oder Beziehungen ableiten.
Woran erkennt eine erfolgreiche Frau einen selbstbewussten, emotional sicheren Mann?
Vor allem daran, wie er mit ihren Erfolgen, ihrer Unabhängigkeit und ihrer eigenen Meinung umgeht. Ein emotional sicherer Mann muss sich nicht ständig vergleichen.
Er kann sich mit seiner Partnerin freuen, respektiert ihre Entscheidungen und begegnet ihr auf Augenhöhe. Sein Verhalten sagt dabei meist mehr aus als seine Worte.
Kann eine Beziehung funktionieren, wenn die Frau erfolgreicher ist als der Mann?
Ja. Unterschiedliche Einkommen oder berufliche Positionen müssen einer glücklichen Beziehung nicht im Weg stehen. Entscheidend sind gegenseitiger Respekt, gemeinsame Werte und ein offener Umgang mit Erwartungen. Problematisch wird es vor allem dann, wenn einer der Partner seinen Selbstwert davon abhängig macht, erfolgreicher zu sein als der andere.
Über die Autorin
Tamara Birner ist Gründerin von Poise & Privée, einer internationalen Boutique für exklusives Private Matchmaking für ambitionierte und beruflich etablierte Frauen. Die diskrete, individuelle Partnersuche konzentriert sich insbesondere auf München, Zürich und London.
Wissenschaftliche Quelle
Park, L. E., Young, A. F., & Eastwick, P. W. (2015). Psychological Distance Makes the Heart Grow Fonder: Effects of Psychological Distance and Relative Intelligence on Men's Attraction to Women. Personality and Social Psychology Bulletin, 41(11), 1459–1473.



